Nach längerer Krankheit verstarb der ehemalige Direktor der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek und emeritierte Professor für die Paderborner Bistumsgeschichte an der Theologischen Fakultät Dr. Karl Hengst. Im alten Hochstiftsdorf Bühne bei Borgentreich erblickte er am 5. Januar 1939 das Licht der Welt. Seine bäuerliche Herkunft und eine daraus resultierende Bodenständigkeit waren ein wesentlicher Faktor dafür, dass Hengst der Geschichte des alten geistlichen wie auch weltlichen Landes Paderborn sehr zugetan war. Nach dem Abitur am Theodorianum studierte Hengst Theologie in Paderborn und München und wurde 1964 zum Priester geweiht. Stationen seiner Seelsorgetätigkeit waren Lütgendortmund und Bad Driburg. 1974 wurde Hengst mit dem Thema „Kirchliche Reformen im Fürstentum Paderborn unter Dietrich von Fürstenberg“ promoviert. Danach war er einige Jahre als Privatdozent an der Ruhr-Universität Bochum tätig. 1980 erfolgte seine Habilitation über das Thema „Jesuiten an Universitäten und Jesuitenuniversitäten“.

1980 ernannte ihn der damalige Erzbischof Dr. Degenhardt zum Professor für Kirchengeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Paderborner Bistumsgeschichte. 1984 wurde Hengst außerdem die Leitung der Akademischen Bibliothek übertragen. Diese Position bekleidete über viele Jahre der legendäre Historiker Prof. Dr. Klemens Honselmann. In relativ kurzer Zeit gelang es dem Verstorbenen, eine Reihe beachtenswerter Publikationen, zumeist unter Mitwirkung seines Freundes und Kollegen Prof. Dr. Hans Jürgen Brandt, herauszubringen. Dazu zählen wissenschaftliche Festschriften und Ortsmonographien, Bücher über die Paderborner Bischöfe und Weihbischöfe sowie das Liborifest.

Sein Fleiß und Können führten dazu, dass Hengst 1983 in die Historische Kommission, eine der sechs wissenschaftlichen Institute des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), berufen wurde. Hier waren die Herausgabe eines mehrbändigen Westfälischen Klosterbuches sowie des Handbuches der Jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe, speziell für den Regierungsbezirk Detmold, Schwerpunkt seiner Tätigkeit. Zusammen mit Prof. Dr. Brandt gelang es ihm, vier umfangreiche Bände zur Geschichte des Bistums – seit 1930 Erzbistums – Paderborn zu verfassen. Dieses umfangreiche Werk löste eine 1820 von Georg Joseph Bessen herausgebrachte, nach heutigen Maßstäben veraltete Publikation ab.

Ein Förderverein zur Restaurierung alter Buchbestände der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek wurde 1987 auf seine Initiative gegründet und hat inzwischen beachtliche Erfolge aufzuweisen. Das unermüdliche kulturhistorische Engagement des Professors Hengst wurde 2013 mit der Verleihung der „Kulturnadel der Stadt Paderborn“ belohnt.

Professor Karl Hengst wurde am Samstag, den 4.9.2021 in seinem Heimatort Bühne beigesetzt.

Ein Nachruf von Michael Pavlicic