Heiligkeit und Gewalt stehen seit den Anfängen des Christentums in einem spannungsreichen Verhältnis. Lange Zeit galt das Martyrium, der Tod für den Glauben, als ein besonderer Weg zur Heiligkeit. Doch im hohen Mittelalter veränderte sich der Blick auf diese Verbindung. Mit der fortschreitenden Christianisierung Europas verlor das Sterben für den Glauben als Grundlage eines Heiligenkults an Gewicht. Gleichzeitig entwickelte die päpstliche Kurie strenge Kanonisationsverfahren, mit denen Heiligsprechungen geprüft, geregelt und zunehmend an feste Voraussetzungen gebunden wurden.

Wie aber ließ sich unter diesen neuen Bedingungen weiterhin mit dem Bild eines „edlen Todes“ argumentieren? Prof. Dr. Claudia Garnier richtet den Blick exemplarisch auf Engelbert I. von Berg, den Kölner Erzbischof, der im November 1225 erschlagen wurde. Sein gewaltsamer Tod wurde rasch zum Gegenstand intensiver Verehrungs- und Kanonisationsbemühungen. Gerade darin zeigt sich, wie Deutungen von Gewalt entstehen: nicht allein im Augenblick des Geschehens, sondern auch in den Erzählungen, Erinnerungen und Interessen, die sich daran anschließen.
Der Vortrag beleuchtet, wie das Verhältnis von Heiligkeit und Gewalt im 13. Jahrhundert neu ausgehandelt wurde und welche Rolle dies für das religiöse und politische Selbstverständnis der Kölner Kirche spielte. Zugleich eröffnet er einen Blick auf die Mechanismen mittelalterlicher Erinnerungskultur.
Bildzeilen: Caesarius von Heisterbach (Quelle: Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, Ms. C 27, fol. 1r.)| Bischof Engelbert – Statue (Eichenholz) aus dem Zisterzienserinnenkloster Gevelsberg (um 1235) (Quelle: Märkisches Museum Witten, ohne Inv.-Nr.)

Infos zur Veranstaltung: 📅 Dienstag, 17. November 2026, 20.00 U1hr, 📍 Kaiserpfalz, Am Ikenberg 1, 33098 Paderborn