Vortrag: „Klein London“ in Westfalen. Geschichte(n) vom deutsch‐britischen Zusammenleben

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Von 1945 bis 2019 waren tausende britischer Soldaten mit ihren Familien in vielen Orten Westfalen stationiert und lebten neben und mit der deutschen Bevölkerung. Wie funktionierten die deutschbritischen Nachbarschaften und wo konnte man sich überhaupt begegnen? Wieweit veränderten sich beide Seiten durch diese Begegnungen? Die Historikerin Dr. Bettina Blum erforscht diese Fragen und sprach dafür mit Soldaten und ihren Familienangehörigen, deutsch‐britischen Ehepaaren, Schülern und Lehrerinnen an britischen Schulen, mit deutschen Kneipenwirten, (Militär-) Polizisten, britischen Militärgeistlichen, Mitgliedern von Schützen‐ oder Sportvereinen, Bürgermeisterinnen, Verbindungsoffizieren und vielen anderen. Ins-gesamt haben sich über 300 Menschen – Briten und Deutsche aller Altersgruppen – an dem Projekt beteiligt und Fotos, Dokumente und spannende Erinnerungen geteilt. „Home is where the Army sends us “ (wir sind dort zuhause, wo die Armee uns hinschickt), hieß es bei vielen Militärangehörigen, denn sie wurden alle paar Jahre in andere Orte, Länder oder Erdteile versetzt. So mussten britische Familien immer wieder fremde Orte zu ihrem Zuhause machen und unbekannte Menschen zu ihren Nach-barn und Freunden. Zwar stellte ihnen das britische Militär eine eigene Infrastruktur für alle Bereiche des Alltags zur Verfügung, dennoch verließen viele das „Camp“ – oder „Klein London“, wie manche Deutsche die britischen Siedlungen nannten – und suchten die Begegnung mit Deutschen. Auch die lokale deutsche Bevölkerung verhielt sich unterschiedlich: hielt Distanz oder freute sich über Gelegenheiten zum Englischlernen, arbeitete für die britischen Streitkräfte oder fand in der britischen Community Freunde oder Ehepartner. Bettina Blum untersucht gleichermaßen die britische als auch deutsche Perspektiven und lädt das Publikum zur Diskussion über eigene Erfahrungen ein. Zu ihrem Vortrag wird sie zahlreiche persönliche Fotos und Interviewausschnitte von Zeitzeugen mitbringen und so ein facettenreiches und lebendiges Bild der gemeinsamen deutsch‐britischen Geschichte zeichnen.

Dr. Bettina Blum hat zu diesem Thema die Ausstellungen „Briten in (Nordrhein‐)Westfalen “ in Paderborn (2017/18) und im Landtag Nordrhein‐Westfalen in Düsseldorf (2019) kuratiert und arbeitet aktuell an einem größeren Forschungsprojekt zu diesem Thema, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert wird, an der Universität Paderborn.

Dienstag, 31. Mai 2022, 19.30 Uhr,
in Zusammenarbeit mit dem Historischen Institut der Universität Paderborn
Ort: AStA-Stadtcampus (Königsplatz 1, 6. OG)
Referentin: Dr. Bettina Blum

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