Im Jahr 2026 führt die Sommerstudienfahrt des Förderkreises Historische Museen in Paderborn-Schloß Neuhaus und des Altertumsverein Paderborn von Mittwoch, 19. August bis Sonntag 23. August nach Tschechien. Die Tschechische Republik setzt sich aus den historischen Ländern Böhmen, Mähren und einem Teil von Schlesien zusammen. Obwohl es ein Nachbarland von Deutschland ist, beschränken sich die Kenntnisse oft auf die Hauptstadt Prag, die Bäderorte und das berühmte Pilsener Bier.

Sommerstudienfahrt 2026 – Mittwoch 19. – Sonntag 23. August 2026

„Mehr Geschichte an einem Platz geht kaum“ – Prag und Nordböhmen entdecken und genießen.

Reiseleitung: Marianne Moser, M.A. und Dr. Walter Mayer

 

Die Tschechische Republik wird im Reiseführer „unspektakulär schön“ betitelt. Es gibt keine sehr hohen Berge, keine sehr tiefen Schluchten, kaum sehr große Städte und keine Meeresküste[1]. Sie ist ein Binnenstaat, der bis 1989 ein sowjetischer Satellitenstaat war und erst 1993 nach der friedlichen Teilung der Tschechoslowakei zu ihrem heutigen Staatsgebiet und amtlichen Namen kam. Seit 1999 ist sie Mitglied der Nato und seit 2004 der EU.

Historisch gesehen wechselten die Einflüsse verschiedener Kulturen häufig. In der Latène-Zeit war das Gebiet mit den keltischen Regionen in Süddeutschland verbunden. Erst im 6. Jahrhundert nach Christus wanderten Slawen nach Böhmen ein. Im 11. Jahrhundert gab es ein Königreich Böhmen unter den Premysliden, einem tschechischen Herrscher Geschlecht. Durch geschickte Politik und Heiraten vergrößerten sie ihr Reich mit Teilen von Österreich und gelangten sogar kurzfristig an die Krone von Ungarn und Polen.

Luxemburger kamen wiederum durch die Heirat von König Wenzels II. Tochter Elisabeth mit Johann von Luxemburg im 14. Jahrhundert an die Krone. 1306 wurde ihr Sohn, Karl IV. in Prag geboren. Als römisch-deutscher Kaiser machte er die Stadt zur Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches und gründete 1348 dort die erste Universität Mitteleuropas. Er war ein geschickter Politiker, Förderer der Wirtschaft, Unterstützer der katholischen Kirche, Kunstsammler und vieles mehr. Nach dem Aussterben der Linie kamen die Habsburger an die Macht und Böhmen wurde Teil ihres Reiches. Im 17. Jahrhundert wurde Pfalzgraf und Kurfürst Friedrich V. aus dem Hause Wittelsbach als Friedrich I. 1619 König von Böhmen und stellte sich gegen den katholischen Kaiser Ferdinand II. Die dadurch ausgelöste Schlacht „am weißen Berg“, nahe Prag war die erste große militärische Auseinandersetzung des Dreißigjährigen Krieges. Auf Friedrichs Niederlage folgte 1620 der Verlust der Krone, woraufhin der Spottname „Winterkönig“, also nur für eine „Saison“, entstand.

 

Am Ende des 1. Weltkrieges führten starke Unabhängigkeitsbewegungen zur Gründung der Tschechoslowakischen Republik. Auch ihre Einwohner waren ein sehr buntes Volksgruppengemisch im Wesentlichen aus Tschechen, Slowaken, Deutschen, Polen und Ukrainern. Am 1. Oktober 1938 marschierten deutsche Truppen in sudentendeutsche Gebiete mit den Städten Reichenberg, Eger, Aussig und Troppau ein. Die deutsche Schreckensherrschaft, verbunden mit der Ermordung der jüdischen Bevölkerung, hatte mit dem Einmarsch der Roten Armee 1945 ein Ende. Danach wurden etwa 3 Millionen Deutsche aus dem Land vertrieben. 1948 übernahm die kommunistische Partei KSC die Macht. 1968 wurden beim „Prager Frühling“ Reformbestrebungen gewaltsam unterbunden, seit 1989 aber ist die Staatform eine parlamentarische Republik.

 

Heute leben über 10 Millionen Einwohner im Land, wobei die Tschechen die Mehrheit bilden.

Die Reisegruppe wird ihren festen Standort in Teplice einnehmen, einem Kurort an der Südabdachung des Erzgebirges.

Auf dem Weg dort hin besichtigt sie das letzte bei den bisherigen Fahrten noch fehlende vorgeschichtliche Observatorium. In den Jahren zuvor sah sie bereits den Fundort der Himmelsscheibe von Nebra und die jungsteinzeitliche Kreisgrabenanlage Goseck. Dies wird nun durch das Ringheiligtum Pömmelte im gleichnamigen Ortsteil der Stadt Barby in Sachsen-Anhalt ergänzt. Im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle erwartet die Gruppe dann das Original der Himmelsscheibe und eine Sonderausstellung zur mesolithischen Schamanin von Bad Dürrenberg.

 

Ausgehend vom Hotel in Teplice wird es am Dienstag und Mittwoch Fahrten nach Prag geben. Die „Goldene Stadt“, das „böhmische Rom“ hat ihren Namen von einer Schwelle (praha) in der Moldau, die als Furt diente. Im 9. Jahrhundert entstand der hradschin, eine Burg westlich über dem Fluss. 920 wurde die Georgsbasilika gebaut und 925 der Veitsdom gestiftet. Nach 973 entstand auf dem Berg das erste Kloster Böhmens, im 13. Jahrhundert existierten in Prag bereits über 50 Kirchen.[2].

 

Am Donnerstagvormittag geht es auf den Prager Burgberg. Führungspersonen erläutern in deutscher Sprache und zeigen Königspalast, Veitsdom, St. Georg, das goldene Gässchen und die Burggärten. Nach einem gemeinsamen Mittagessen widmen wir den

Nachmittag dem jüdischen Viertel josefov. Durch die Reiseerzählungen des Kaufmanns Ibrahim Ibn Jakub weiß man, dass 965 bereits ein jüdisches Viertel in Prag existierte. Über die Jahrhunderte wechselten Ausbreitung, Duldung und Verfolgung. Letztere gipfelte in den perfiden Plänen der Nationalsozialisten. 1941 errichteten sie in Terezin/Theresienstadt ein Ghetto, in dem 140.000 Menschen inhaftiert waren und dann zum Großteil weiter in Vernichtungslager deportiert wurden.

Während der Führung besichtigt die Gruppe mehrere Synagogen und den Alten jüdischen Friedhof (belegt vom 15. Jh. bis 1787), die verschiedene Neubauperioden überstanden hatten. Die Altneusynagoge ist ein gotischer Bau, den zisterziensische Bauleute 1278 errichteten, das jüdische Rathaus aus dem 16. Jahrhundert das einzige jüdische Rathaus außerhalb Israels.

 

Am Freitag erhält die Gruppe vormittags eine Führung in der Altstadt staré mesto, sieht u.a. die astronomische Aposteluhr und natürlich die Karlsbrücke. Peter Parler baute sie nach einem Hochwasser auf Geheiß Karls IV. 1357 neu. Bis zum Jahr 1836 stellte sie den einzigen Moldauübergang in Prag dar. Die 30 Statuen schmückten die steinerne Brücke erst nach und nach ab dem 17. Jahrhundert.

 

Der Nachmittag steht zur freien Verfügung, beispielsweise für weitere Besichtigungen, Café-Besuche, Einkaufserlebnisse oder einer Flussfahrt auf der Moldau.

 

Der Samstag beginnt mit einer Führung in der Gedenkstätte Theresienstadt. Das Sammel- und Durchgangslager wurde in den 1940er Jahren von den Nationalsozialisten in der Garnisonsstadt Terezin eingerichtet und begann mit einem Gestapo- Gefängnis in der kleinen Festung. Im Lager sperrte man vor allem Alte, 9000 Kinder, Kriegsveteranen und später Juden aus Dänemark ein. Nach Protesten aus dem Ausland wurden Schaubesichtigungen mit dem Roten Kreuz veranstaltet um das Elend zu verschleiern, und noch 1944 ein Propaganda-Film gedreht. Dänen konnten kurz vor Kriegsende nach Schweden gerettet werden, 1200 Juden wurden von der Schweiz aufgenommen. Insgesamt überlebten nur etwa 4000 von 141.000 Menschen das Lager.

Ein Blick auf die Elbe hilft vielleicht, auf der Weiterfahrt das Gesehene und Gehörte in Ruhe zu durchdenken. Die Burgruine Strekov/Schreckenstein liegt auf einem Felsen über dem Fluss und ist bekannt durch das Gemälde „Überfahrt am Schreckenstein“ von Ludwig Richter. Die 1319 von Johann von Luxemburg erbaute Burg wurde als Ruine schon von Goethe und Wagner gerne aufgesucht. Eine Stadterkundung in Teplice und eine Bierprobe mit Abendessen runden den Tag ab.

 

Auf der Rückfahrt macht die Gruppe Station im Zittauer Gebirge. Ein „Gebirgsexpress“ bringt sie auf den Berg Oybin, zur Ruine von Burg und Kloster, einem kulturellen Höhepunkt in der Oberlausitz. Kaiser Karl IV. ließ im 14. Jahrhundert ein Coelestinerkloster errichten und verbrachte 1369 eine Nacht dort. In der Reformation verließen die Mönche Oybin. Die Anlage nahm in den folgenden Jahrhunderten durch Brände, Bausteineraub und einen Felssturz Schaden. Dennoch wird es als „Kleinod der europäischen Geschichte und [ …..] einzigartiges Ensemble aus Natur und Architektur“ bezeichnet. Oybin. Die Anlage nahm in den folgenden Jahrhunderten durch Brände, Bausteineraub und einen Felssturz Schaden. Dennoch wird es als „Kleinod der europäischen Geschichte und […..] einzigartiges Ensemble aus Natur und Architektur“ bezeichnet.

Ablauf der Reise  – Wie immer ohne Gewähr

 

Mittwoch 19.08.26

 

7.30 Uhr         Abfahrt vom Pohlweg in Paderborn in Höhe des Uni-Parkplatzes zwischen Vogelius- und Harsewinkelweg

Vormittags    Busfahrt mit Pause zum Ringheiligtum Pömmelte zwischen Magdeburg und Halle

Mittags            Buswürstchen

Nachmittags    Museumsbesuch in Halle

Abends           Einchecken im Hotel „Prince de Ligne“ in Teplice mit gemeinsamen Abendessen

 

Donnerstag 20.08.26

8.00 Uhr          Abfahrt ab Hotel, Fahrt nach Prag

Vormittags      Führung auf dem Prager Burgberg

Mittags            gemeinsames Mittagessen

Nachmittags    Führung im Jüdischen Viertel

Abends           zurück nach Teplice

 

Freitag 21.08.26

8.00 Uhr          Abfahrt ab Hotel, Fahrt nach Prag

Vormittags      Führung in der Altstadt

Mittags und nachmittags zur freien Verfügung

Abschließend  zurück nach Teplice

Samstag 22.08.26

8.15 Uhr          Abfahrt nach Terecin

Vormittags      Führung in der Gedenkstätte

Mittags            Imbiss in Strekov und Burgführung

Nachmittags    Stadtführung oder Rundfahrt in  Teplice

Abends           gemeinsames Abendessen mit Bierverkostung

 

Sonntag 23.08.26

7.50 Uhr          Gepäckverladung

Vormittags      Fahrt zu Burg und Kloster Oybin mit Führung

Mittags            Essen vor Ort

Nachmittags    Rückfahrt

20.30 Uhr Ankunft in Paderborn

Buchungsinformationen:

Bitte denken Sie daran, dass Sie einen gültigen Personalausweis mit sich führen müssen. Die männlichen Teilnehmer sollten an eine Kopfbedeckung denken.

Wir empfehlen eine private Reiserücktrittsversicherung, gutes Schuhwerk und Sonnenschutz. Tschechische Kronen können an örtlichen Bankautomaten erworben werden, dabei die Option „ohne Konversion“ wählen. Von Wechselstuben ist eher abzuraten.

Übernachtung im Einzelzimmer: 860,00 €

Übernachtung im Doppelzimmer (Preis pro Person): 760,00 €

(Achtung: Keine Staffelung in diesem Jahr!)

Mindestteilnehmer: 31

Beachten Sie auch unsere Teilnahmebedingungen auf den letzten Seiten im Rundbrief.

Anmeldungen nur schriftlich mit dem Anmeldeformular auf den letzten Seiten beim Altertumsverein, Pontanusstr. 55 (Stadt- und Kreisarchiv), 33102 Paderborn, bis Samstag, 30. Mai 2026

 

 

[1] Michael Bussmann, Gabriele Tröger, Tschechien, Erlangen 2023, S. 12.

 

[2] Erhard Gorys, Tschechoslowakei, Dumont Kunstreiseführer, Köln 1990.