Wer Lust auf eine kleine Zeitreise hat, sollte sich den 25. Juli vormerken: Der Altertumsverein Paderborn bietet an diesem Samstag eine ganztägige Busfahrt nach Nordhessen an – mit Stationen in Helmarshausen, an der Krukenburg und in der barocken Hugenottenstadt Bad Karlshafen.
Geführt wird die Gruppe von Heiner Duppelfeld, die organisatorische Leitung liegt bei Marianne Moser. Gemeinsam geht es durch eine Kulturlandschaft, in der sich mittelalterliche Klöster, Burgen und barocke Stadtgründungen auf kurzer Strecke begegnen.
Helmarshausen und Krukenburg

Die Krukenburg bei Helmarshausen (Foto: Wikipedia/Magnus Mertens)

Erster Halt ist Helmarshausen an der unteren Diemel. Der Ort gehört zu den ältesten Städten Nordhessens und war schon im 10. Jahrhundert Standort eines Klosters mit berühmter Kunstwerkstatt. Aus dem Skriptorium stammen bedeutende Buchmalereien, deren Faksimiles heute in Stadtkirche und Museum zu sehen sind. Der historische Ortskern mit seinen Fachwerkhäusern lädt zu einem Rundgang ein.

Eng mit Helmarshausen verbunden ist die Krukenburg, die ab 1222 oberhalb des Ortes entstand. Sie gehört zu den markanten Burgen im Einzugsbereich des Reinhardswaldes und geht auf Auseinandersetzungen zwischen den Bistümern der Region zurück. Besonders ist die romanische Taufkirche inmitten der Burganlage, die sich an der Grabeskirche in Jerusalem orientiert und baugeschichtlich weit über Nordhessen hinaus von Bedeutung ist. Beide Orte werden im Rahmen der Exkursion ausführlich besichtigt.
Barocke Hugenottenstadt Bad Karlshafen

Bad Karlshafen in Hessen (Quelle: Wikipedia / ERWEH – CC BY-SA 2.0 de)

Im Anschluss steht Bad Karlshafen an der Weser auf dem Programm. Die Hugenottenstadt besticht durch ihre weißen barocken Häuserkarrees, den historischen Rathausbau und den Barockhafen mit Schleuse. Gegründet wurde der Ort Ende des 17. Jahrhunderts von Landgraf Karl von Hessen-Kassel als Stadt für französische Glaubensflüchtlinge. Die symmetrische Stadtanlage im Stil des Weserbarocks ist bis heute weitgehend erhalten und wird durch das Deutsche Hugenottenmuseum ergänzt. Hier ist auch Zeit für das gemeinsame Mittagessen, bevor die Gruppe am Nachmittag wieder die Rückreise nach Paderborn antritt.


Abfahrt: 7.50 Uhr am Maspernplatz; 8.00 Uhr Hauptbahnhof -> Bussteig am Arbeitsamt

Programmpunkte:

  1. Besuch von Helmarshausen und der Krukenburg an der unteren Diemel
  2. Besichtigung der Hugenottenstadt Bad Karlshafen an der Weser

Helmarshausen wird 994 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und zählt damit zu den ältesten Städten in Nordhessen. Bereits 997 war innerhalb des Ortes ein reichsunmittelbares Benediktinerkloster gegründet und von Otto III. mit zahlreichen Privilegien ausgestattet worden. Bekannt war es für seine bedeutende Kunstwerkstatt, in deren Scriptorium viele Buchmalereien hergestellt wurden. Am bekanntesten ist das Evangeliar Heinrich des Löwen aus dem 12. Jahrhundert. Das Original wird heute in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel aufbewahrt, Faksimile-Seiten können in der Stadtkirche und im Stadtmuseum von Helmarshausen gesehen werden. Von dem in der Reformationszeit aufgelösten Kloster existieren heute noch einige wenige Gebäude. Der Ortskern wird von etlichen Fachwerkhäusern aus dem 16.-18. Jahrhundert geprägt.

Eng verbunden mit der Geschichte des Ortes und des Klosters ist die Krukenburg, die ab 1222 oberhalb des Ortes erbaut wurde. Sie gehört mit der Sababurg und der Trendelburg zum Trio der nordhessischen Burgen im Einzugsbereich des Reinhardswaldes. Aufgrund von Streitigkeiten zwischen den Bistümern Köln, Paderborn und Trier wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit dem Bau dieser klassischen Burganlage begonnen, deren Reste noch heute gut erkennbar sind. Inmitten der Burganlage befindet sich als ältestes Bauwerk eine frühe romanische Taufkirche, deren Bau dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem  folgte. Die Johannes dem Täufer geweihte Kirche ist baugeschichtlich von überregionaler Bedeutung mit Alleinstellungs-merkmalen. Im Rahmen der Exkursion werden sowohl der Ort Helmarshausen als auch die Krukenburg besichtigt.

Im Anschluss an den Besuch in Helmarshausen geht es in die Hugenottenstadt Bad Karlshafen. Der nordhessische, direkt an der Weser gelegene Kurort Bad Karlshafen besticht durch einzigartige weiße Häuser-Karrees aus der Barockzeit, das eindrucks-volle historische Rathaus und den Barockhafen mit Schleuse.

Gegründet wurde der Ort 1699 von Landgraf Karl von Hessen-Kassel als Exulantenstadt zur Ansiedlung von Hugenotten, protestantischen Glaubensflüchtlingen, aus Frankreich. Landgraf Karl ordnete den Aufbau einer neuen Fabrik- und Handelsstadt an. Im Zusammenhang mit den Plänen, den Landgraf-Carl-Kanal zu graben, wollte der Landgraf die Zölle von Hannoversch Münden umgehen und von hier aus eine neue Wasserstraße bis in seine Residenzstadt Kassel bauen lassen. Die Pläne konnten jedoch nur teilweise realisiert werden. Die von seinem Ingenieur und Baumeister Friedrich Conradi im Stil des Weserbarocks geplante Stadtanlage mit ihren symmetrisch angelegten Straßenzügen ist in weiten Teilen eindrucksvoll erhalten. 1704 wurde das Invalidenhaus errichtet. Es diente bis 1918 der lebenslangen Unterbringung und Versorgung invalider hessischer Soldaten und ihrer Familien. Der Hauptbau ist jedoch das direkt am historischen Hafenbecken gelegene ehemalige Pack- und Lagerhaus, das heutige Rathaus. Erbaut wurde es 1715-1718 und diente dem Landgrafen bei Besuchen als repräsentative Unterkunft. 1730 entdeckte der hugenottische Apotheker Jacques Galland Solequellen, die Grundlage für den heutigen Kurort.

Die Stadtanlage und das 1989 in einer ehemaligen Zigarrenfabrik gegründete Deutsche Hugenottenmuseum Bad Karlshafen vermitteln einen eindrucksvollen Überblick über die Geschichte der Hugenotten in Frankreich und Deutschland.

Die Rückkehr ist um 17.00 Uhr geplant.

Anmeldungen bis Montag, 20. Juli 2026, schriftlich oder telefonisch nur bei der Vereinsgeschäftsstelle, Pontanusstr. 55 (Stadt- und Kreisarchiv), 33102 Paderborn, Tel.: 05251/88-11598. Teilnahmegebühr 33 Euro für Mitglieder, 35 Euro für Nichtmitglieder (gegen Abbuchung). Die Kosten für Mittagessen und Kaffeetrinken sind selbst zu tragen.